Schwanger: Was ist, wenn…? ?

„Ja, der Sinn von Spaltung/ Dissoziation ist eben genau der, nämlich die Wahrheiten so aufzuteilen, dass ein „weiterleben“ möglich ist.“ Ja und genau das, diese unterschiedlichen Wahrheiten nebeneinander stehen zu lassen, ist so verdammt schwierig. Wie war es noch einfach, als es nur EINE Wahrheit gab… und keine anderen…

Immer wieder drehen sich in diesen Tagen die Gedanken und auch die Gefühle um den Bauch… um einen dicken Bauch. Ja, es gab-gibt seit Jahren die Angst, schwanger zu werden… allein bei dem Gedanken an eine Beziehung wird sie ausgelöst, heftigst… Ja, inzwischen ist wohl auch nicht mehr zu leugnen, dass es sexuelle Gewalt in meinem Leben gab. Ja und immer deutlicher wird auch, dass es ein Problem mit Klamotten gibt. „Da sehe ich schwanger drin aus. Da sieht man meinen Bauch so.“ Worte, die an manchen Tagen seit Jahren in meinem Kopf sind, wenn es ums Anziehen geht, wenn „ich“ in den Spiegel schaue… Manchmal ein Körpergefühl von einem ganz dicken Bauch… genauso gibt es eine Angst vor der Frage: „Bist du schwanger?“… auch die begleitet mich seit Jahren… Doch: Haben nicht sämtliche Frauen ein Problem mit ihrem Körper? Finden sich zu dick?…

Wird kurz an den Gedanken „ mal schwanger gewesen zu sein“ gedacht, so kommen sofort und wehement die mir bekannten Sätze: „Ich kann es mir nicht vorstellen. Hätte ich doch merken müssen.“ Nein, die Vorstellung unmöglich. Geht gar nicht. Argumente werden gebracht. Total überzeugt: „Ich hatte in der Schule keine Fehltage, die wären ja auf dem Zeugnis notiert.“ (Ein Blick aufs Zeugnis: Zu meiner Zeit und auf meinen Zeugnissen gab es die „Rubrik“ Fehltage noch nicht.) „Es hätte doch jemand merken müssen.“, „Ein dicker Bauch wäre aufgefallen.“, „Wo soll das Kind hin sein?“ etc. etc. Heftigst und massiv eine Ablehnung des Gedankens, mal schwanger gewesen sein zu können… vielleicht ja auch berechtigt.

Und gleichzeitig hat hier jemand nen Thema mit „schwanger“. Das lässt sich auch nicht leugnen. Ja und ich kann auch nicht leugnen, dass es hier ruhiger wird, wenn die Kämpfe um „Wahrheit“ grad mal nicht gefochten werden, sondern wenn zugehört wird… Heute Morgen hatte ich-wir einen ganz entspannten Morgen. Ganz lange lagen wir im Bett. Der Körper total entspannt. Eingekuschelt in die warme Decke. Für ein paar Augenblicke wurde „Ja“ gesagt. Es liefen ein paar Tränen, gleichzeitig war Ruhe. Tiefer Frieden. Es war ein „Ja“ zu „ihrem“ Bauch-Thema. Vor Augen eine 12-13-jährige (oder 15?) wie sie sich ankuschelt. An die Seite. Schweigt. Die Hand auf ihrem Bauch. Und ganz leise fragt „und wenn mich (und meinen Bauch) jemand sieht?“

Mitgefühl. Ich hatte so tiefes Mitgefühl wie ganz selten. Auch wenn ich es mir so gar nicht vorstellen kann. Ein so junges Mädchen. Es war, als ob sie ein Geheimnis hütet und sich jetzt anlehnt. Sich anvertrauen will. Sich einen Arm um ihre Schulter wünscht. Tief atmend, meist schweigend. Und doch so vertrauensvoll. Endlich. Jetzt darf sie fragen. Und sie sagt nicht viel, nur diese mir so vertrauten Fragen: „Was ist, wenn es jemand merkt? Was ist, wenn jemand fragt?“

Der Bauch in dem Bild „gequält“… und all die Dinge, die in der Gegenwart auf ein „Bauch-Thema“ hindeuten… ich kann sie nicht länger ignorieren. Ja, es gibt in der Gegenwart Themen. Themen zwischen den Polen „total phantasiert“ und „“jemand“ war mal schwanger“… Irgendwo dazwischen werden vermutlich die „Wurzeln“ für die Themen liegen. Wenn ich „Ja“ sage, dass es ein „Bauch-Thema“ gibt, kommen alle Zweifler und ablehnenden Stimmen. Sind sie einen Augenblick ruhig, so fühle ich Entspannung. Und Frieden. Und Trauer.

Diese Vorstellung, jemand könnte fragen und sie würde antworten: „mich hat jemand vergewaltigt.“ hat mich heute Morgen sehr berührt. Ein junges Mädchen. Schwanger. Und die ehrliche Antwort wäre: „mich hat jemand vergewaltigt“…

Vielleicht ist sie nicht schwanger, sondern „nur“ missbraucht. Vielleicht hat mich auch das „Ankuscheln“ wollen bewegt. Dieses lautlose auf sich hindeuten… Ich weiß es nicht. Doch ich fühle sie. Fühle ihren Wunsch nach einer Antwort auf ihre Fragen… „Was soll ich sagen, wenn…?“ Sie hat eine ganz ruhige Art. Mag und kann mir nicht vorstellen, es selbst zu sein. Nein, ich kann es mir wirklich nicht vorstellen… und doch… es gibt in der Gegenwart Themen…

All die oben genannten Dinge erzeugen ja in der Gegenwart Stress… der Gedanke an Partnerschaft, das Anziehen, die möglichen Fragen, das Sichtbarsein des dicken Bauches, die Hoffnung, dass ihn niemand sieht und niemand fragt… egal, wie es damals einmal war… gegenwärtig gibt es ein „Bauch-Thema“ und ich glaube es ist gut, dazu „Ja“ zu sagen… Vielleicht ist es auch ein „ich schäme mich für meinen Körper“. . vielleicht ist es auch nur das Thema: Ich bin zu dick, ich müsste mal wieder abnehmen :-)

und… ich musste vorhin soooo lachen. Weil ich mich so freute, dass es hier endlich mal wieder ruhigere Zeiten zwischen den Erinnerungswellen gibt… und da kam wie aus dem Nichts: „War ja auch ne schwere Geburt“… es war eigentlich bezogen auf die Ruhe und Entspannung… so war es gemeint… doch in dem Themenkontext „schwanger“ grad ein wunderbares Wortspiel… ich musste wirklich lachen…

… und dann stellte ich beim Verlinken eben fest, dass ich am 20.08.2018 zum Thema „Schwanger“ sehr sehr ähnliches schon mal schrieb…

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5 Kommentare zu „Schwanger: Was ist, wenn…? ?

  1. Ich stell mir das sehr schlimm vor, wie es wohl ist, nicht zu wissen ob man schon mal schwanger war oder gar ein Kind hatte und was mit ihm geschehen ist.
    Aber verzeih – in Krimis hörte ich schon öfter mal, dass der Arzt oder Gerichtspathologe sagte, dass die und die nie ein Kind geboren hat….kann das ein Arzt denn nicht auch bei Dir? Ich mein nur, dass Du vielleicht Gewissheit kriegst wenn Du kein Kind geboren hast.

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    1. @Melinas. Zum Arzt zu gehen, war auch mein erster Gedanke als diese Erinnerungen auftauchten. Doch Berichte sagen, man kann es nicht feststellen und meine Therapeutin erzählte von Untersuchungen, die auch alle keine Eindeutigkeiten zeigten. Verschiedene Ärzte, verschiedene Meinungen etc. Von daher habe ich das für mich abgehakt. Ich schließe mich in diesem Thema sowieso lieber den Skeptikern an: ich kann es mir nicht vorstellen :-)

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  2. Es ist unglaublich, was man alles verDISsen kann. Viel mehr, als ich jemals dachte. Ich für mich glaube aber nicht, dass ich persönlich ein Kind inkl. SChwangerschaft und Geburt verdissen hätte können – ich für mich glaube, da wäre dann irgendwo meine persönliche Grenze gewesen… INteressant finde ich das trotzdem, dass das so Thema wird…
    Wünschst Du Dir ein Kind? Jetzt? Also wenn man mal absieht vom DIS-Chaos gerade? Wenn man das alles wegzaubern könnte? Hättest Du dann gern ein Kind?
    Alles Liebe, s

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    1. @sonrisa. Woher soll ich wissen, wie es wäre, wenn alles weggezaubert werden könnte… Es gab mal -vor ein paar Jahren- einen tiefen spirituellen Augenblick, da hieß es „Familie zu gründen, ist das nicht Ziel in meinem Leben“… Und das fühlt sich für mich ganz stimmig an, bis heute… Ich bin so froh, wenn ich mein eigenes Leben gut auf die Reihe bekomme… und mich wirklich lebendig fühle… mir erschiene die „Aufgabe“ Veranwortung für ein Kind zu groß… Die Frage, ob ich gerne ein Kind hätte, verneine ich also…

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